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Ablösesummen für Auszubildende im Handwerk

Beitrag zum Interview von Stefan Rauer in der Sendung „Topthema am Mittag“ im SWR3 -Radio

Anfang Juni hat Handwerkspräsident Wollseifer den Vorschlag veröffentlicht, dass Betriebe aus dem Handwerk, die Gesellen unmittelbar nach der Ausbildung vom Ausbildungsbetrieb abwerben, dem Ausbildungsbetrieb eine Ablösesumme zahlen sollten.

Ausbildung kostet Geld

Grund für den Vorschlag ist, dass die Ausbildung den Betrieben viel Geld kostet. Laut Herrn Wollseifer kostet diese im ersten und zweiten Jahr Geld und erst im dritten Jahr bringe die Ausbildung den Unternehmen finanzielle Vorteile. Entsprechend der vorgelegten Berechnung bedeute das, dass die Ausbildung eine finanzielle Belastung von 15.000 € und mehr für den Ausbildungsbetrieb, hier insbesondere das Handwerk, bringt.

Vor vielen Jahren konnte man damit rechnen, dass ein Geselle nach der Ausbildung einige Jahre, wenn nicht sogar das gesamte Berufsleben in dem Ausbildungsbetrieb verweilt. Das ist heut nicht mehr so. … mehr Geld, interessantere Aufgaben, Karriere, eine größere Stadt, Probleme mit dem Chef, bessere Work-Life-Balance, besserer technische Ausstattung usw. – das sind einige der Begrünungen, die ich als Personalleiter eines Großbetriebes gehört habe, warum Mitarbeiter aus dem Handwerk unbedingt zu uns wollten. Herr Wollseifer beschreibt, dass zwei von drei im Handwerk qualifizierte Mitarbeiter das Handwerk innerhalb des Berufslebens verlassen.

Überregulierung als Folge

ABER! Helfen da Ablösesummen? Wer legt diese fest? Sind sie ja nach Branche unterschiedlich? Was ist, wenn ein Geselle mit seinem Chef oder seiner Chefin nicht zurechtkommt? Darf er/sie dann nur gegen Ablösesumme wechseln? Der Azubi wechselt innerhalb des von Herrn Wollseifer vorgeschlagenen Jahres ein zweites Mal, zahlt dann auch der zweite Betrieb eine Ablösesumme? Und nun möchte oder kann ein Betrieb einen Gesellen nicht weiter beschäftigen, darf der Geselle „ablösefrei“ wechseln?

Folge dieser Entscheidung wäre eine absolute Überregulierung! Es müsste eine Stelle z.B. bei der Handwerkskammer geben, der dieses überwacht und auch im Streitfall regulierend eingreift – und schon müsste der Beitrag für Kammern angepasst und entsprechend erhöht werden, das zusätzliches Personal will auch bezahlt werden.

Übrigens beklagt Herr Wollseifer ebenfalls Anfang Juni 2019 eine Überregulierung, die auf das Handwerk zukommt – z.B. Datenschutz, Abfallrecht, Arbeitsrecht etc. – Wie da sein Vorschlag bzgl. der Ablösesummen rein passt, weiß ich leider nicht.

Ich sehe schon die Stellenausschreibungen:

Voraussetzung: Ausbildung im Handwerksbetrieb mit mind. einjähriger Berufserfahrung (Mindestvoraussetzung!)

Etwas hat Herr Wollseifer bewirkt. Die Menschen sprechen über die Probleme, die Handwerksbetriebe habe – und auch die Kunden. Wenn mir ein Maler sagt, dass er Aufträge absagen muss, weil er nicht genug qualifizierte Mitarbeiter habe, dann hat das Folgen für uns alle! Mal eben die Heizung reparieren? Die Hausverteilung erneuern? Haben Sie noch einen „Fleischer in der Nähe“? Und wer repariert und wartet eigentlich die ganzen E-Bikes, die aktuell vermehrt auf der Straße zu sehen sind? Was hat das Unternehmen denn von einer Ablösesumme – auf jeden Fall einen Gesellen weniger – mit einer kleinen finanziellen Entschädigung!

Also: Ja, Herr Wollseifer – wir müssen reagieren! Nein, Herr Wollseifer –eine Ablösesumme ist nicht der richtige Weg.

Handwerk ist interessant und attraktiv!

Stellen Sie das Handwerk in das Licht, welches es verdient! Gute Chancen auf Selbständigkeit, Qualifizierungsmöglichkeiten, abwechslungsreiche Arbeit, Kreativität – um nur ein paar Dinge zu nennen, wo das Handwerk mit der Industrie sicher gleich auf ist, wenn nicht sogar vorbeiziehen kann.

Und die Unternehmen, hier insbesondere das Handwerk, brauchen Unterstützung bei den Fragen: Wie mache ich mein Unternehmen für Mitarbeiter attraktiv?  Was begeistert junge Menschen? Was bedeute Führung heute? Unterstützen Sie die Betriebe hinsichtlich Employer Branding, Personalmarketing – hier haben große Unternehmen etwas voraus, denn sie haben erkannt, dass sie dort etwas machen müssen, um im „War of talents“ zu gewinnen.

Links zum Text:

Hier gelangen Sie zum SWR3-Podcast – Interview mit Stefan Rauer, Geschäftsführer PersonalMensch in der Sendung Topthema am Mittag im SWR3 Radio:

Interview SWR3 – Ablösesummen im Handwerk

Internetseite des SWR3

PersonalMensch Kontakt

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